Wie fünf Mädchen im Branntwein jämmerlich umkommen

400asa / Theater im Bahnhof

Musical nach Jeremias Gotthelf

Nach «Partyschreck» setzen 400asa und Das Theater im Bahnhof Graz die länderübergreifende Zusammenarbeit fort und zeigen - verstärkt durch die Schlagzeug spielende Ex-Miss Schweiz Nadine Vinzens - ein anti-ländliches Alkohol-Musical. Der Ausflug geht aufs Land, das der SVP und das der FPÖ, das der swissness-getränkten Schwingerfeste und das der trachten-geschmückten Massenbesäufnisse. Aber auch ins brave Land der subventionierten «Urmusig», wo SP-Oberärzte Bauernpalazzi mit Yogabalkon bewohnen.

Als Reiseführer dient dem Ensemble eine der Gotthelfschen Branntwein-Erzählungen. Sein Emmental ist ein düsterer Ort, «eine unendliche Wüste voll Jammer und Elend, voll Branntwein und darin zappelnder Menschen.» Ein Ort jenseits von folkloristischer Idylle der Schnyder-Filme und von Weltwoche-Heimweh. In diesem «Waste Land» des 19. Jahrhunderts sieht der grosse Berner Dichter ganze Netzwerke des Bösen, welche die pure Lebenslust der fünf Mädchen im Branntwein ersäufen. In der Zwischenzeit haben sich die Mädchen jedoch mit Musik, Musical-Marketing und erzählerischer Kraft bewaffnet und sind zur bösartig-archaischen Combo herangewachsen, in der die Männer nur noch die zweite Geige spielen. Die «Pest des Unglaubens, der Zuchtlosigkeit und Frechheit des Geschlechts» hat längst das ganze Land ergriffen.

So rufen wir mit Gotthelf, Gott oder was uns noch geblieben ist: «Ihr Berge, fallet über mich zusammen, ihr Hügel, decket mich!»

Regie Ed Hauswirth Dramaturgie Mathias Balzer, Samuel Schwarz Mit Wanda Wylowa, Meret Hottinger, Grazia Pergoletti, Beatrix Brunschko, Nadine Vinzens, Samuel Schwarz, Nikolai Bosshardt, Raphael Urweider, Philipp Stengele Bühne und Licht Philipp Stengele Musik Michael Sauter, Raphael Urweider, Martin Gantenbein Kostüme Esther Schmid Kostümassistenz Manuela Wellauer Regieassistenz Lena Trummer Hospitanz Sinja-Marie Krüger Produktionsleitung Michael Röhrenbach Produktion 400asa Koproduktion Theaterhaus Gessnerallee Zürich, Theater Chur, Schlachthaus Theater Bern, Theater im Bahnhof Graz Gefördert durch Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Migros- Kulturprozent, Kulturstadt Bern, SWISSLOS / Kultur Kanton Bern, SSA