MEDEÄÄ - MEHR INFOS
Mythos - Aufgabe - Regiekonzept

Personen: Erzähler; Aigeus; Medea; Glauke; Kreon; Jason; Ammen; die Söhne Medeas
Ort: Der Strand, das Meer und die Burg.

Der Mythos

Medea und Jason, nachdem sie dem Drachen das Goldene Vlies entrissen und Jasons Onkel Pelias getötet haben, fliehen mit dem Schiff Argon nach Korinth. König Kreon empfängt sie und gewährt ihnen Unterschlupf. Kreon bietet Jason die Hand seiner Tochter, Glauke, an. Jason nimmt sie. Zur Hochzeit erhält Glauke von Medea ein Giftdiadem und damit ihren und Kreons Tod als Geschenk. Als Vollendung der Rache am Verrat ihrer Liebe tötet Medea ihre zwei Kinder, deren Vater Jason ist. Dann entschwindet sie auf einem himmlischen Wagen in den Lüften. Jason aber, fliehend, wird vom Segelbalken der morschen Argon erschlagen.

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Die Aufgabe

400asa fahren fort in ihrer Untersuchung der theatralischen Mittel und machen diesmal etwas sehr Einfaches, nämlich eine Bildbeschreibung.
In diesem Fall sind die Bilder sämtliche Einstellungen eines Films, Lars von Triers "Medea".

400asa erzählen also den Film nach. Der Film stammt aus dem Jahre 1989 und er benutzt einfache Mittel, Rückprojektionen etwa, oder einfache Laken als Raumbegrenzungen. Und er vertraut der Stärke dieser Mittel.

Bei der Bildbeschreibung gelten folgende Spielregeln:

- Es werden sämtliche Einstellungen beschrieben.
- Ein Erzähler übernimmt die Rolle des Kameraobjektivs.
- Der Duktus seiner Beschreibung folgt jenem der Kamera; der Rhythmus seiner Sprache jenem des Schnitts.
- Der Erzähler soll die Probleme, die bei der Umsetzung einer Form in eine andere auftreten werden, nicht kaschieren, sondern vielmehr grösser machen, greller zeichnen.
- Die Dialoge werden von Schauspielern gesprochen, und zwar in jenem Dänisch, welches Lukas Bärfuss dem Lautsprecher des Fernsehers entnommen hat und das er in eine phonetische Schrift transkribierte. Er versteht kein Dänisch, die Schauspieler sprechen es nicht — Ziel ist, dass das Dänisch der Bildbeschreibung von Dänen verstanden wird.
- Der Erzähler soll sich Aufgaben stellen, etwa: Worin liegt die Symbolik des Wassers und des Feuers im Medea-Stoff begründet? oder: Was stirbt zuerst, die Leidenschaft oder das Kalkül? Der Erzähler wird, während er die Rolle des Kameraobjektivs spielt, Zeit finden, zu versuchen, diese Aufgaben diskursiv zu lösen.

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Regiekonzept

400asa will den eingeschlagenen Weg, so wie er im Bekenntnis 99 skizziert ist und in den Produktionen "Italienische Nacht" und "Siebzehn Uhr siebzehn" realisiert worden ist, weiter verfolgen. Das heisst im Wesentlichen: Sämtliche Mittel werden geprobt. Das Licht und der Ton haben die gleichen theatralen Rechte und Pflichten wie die SchauspielerInnen. Sie haben ihre Berechtigung auf der Probe zu beweisen.
Die Truppe sieht darin einen politischen Akt, den sie thematisieren will: das Proletariat des Theaters, die Technik, drängt auf die Bühne; die Aristokratie, die SchauspielerInnen, verteidigt verbissen.
Das stärkste Mittel ist der Humor. Es kann kein kraftvolles Theater geben, welches nicht gleichzeitig komisch ist. Am komischsten sind naturgemäss die Tragödien.
Das zweitstärkste Mittel ist der Rhythmus, weil der bekanntlich in allem wohnt.

So wollen 400asa also ihr Theater: Politisch, komisch und rhythmisch.

Heute scheint die Form den Inhalt des Mythos gefangenzuhalten. Also beschreibt 400asa das Formale, um an den Inhalt heranzukommen. In dieser Idee liegt ein durchaus technischer Gedanke; die Beschreibung soll ein Instrument sein, mit dem die Formen des Theaters aufgebrochen und auf ihre Tauglichkeit geprüft werden können.

Die spezielle Weise, die Medea zu erzählen, soll ein Tribut an Lars von Trier sein. 400asa haben keine Angst davor, sich in eine Tradition zu stellen, Fäden aufzunehmen und weiterzuspinnen.

Die Aufgaben, die sie sich stellen, münden im Appendix 2000 zum Bekenntnis 99 und in der Festwochen-Erweiterung.

Für 400asa
Lukas Bärfuss
Samuel Schwarz
Januar 2000

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