Salome

Von Oscar Wilde.

In der Reihe "Böse Frauen".

Projekt von Meret Hottinger und Barbara Maurer.

Ausschnitt: Streit unter Models

 

"'Salome', das Theaterstück von Oscar Wilde aus dem Jahre 1893. [...] Zwei (bald) Dreissigjährige inszenieren sich auf Chantal Wuhrmanns Bühne in einer der leckersten Theaterrollen für Frauen: Salome, die 16-Jährige, die den Kopf des Propheten Johannes fordert, weil er sie verschmäht hat ('Du hast nur Gott gesehen! Hättest Du mich angesehen, Du hättest mich geliebt!'). Dazu aktivieren die Aktricen sämtliche Weibs-Bilder der Theaterliteratur, Luise ('Wie blass bist Du!'), Lulu, Lolita. Denn bei Hottinger/Maurer bleibt jeder neutestamentliche Bezug auf dem Nachttisch liegen und die tradierte Salome-Rezeption im Bücherschrank. Sie denken die Wilde'sche Dekadenz weiter und lokalisieren die zeitgenössische Salome in der Zürcher Party- Szene. Ihre Heldin ist eine Zicke oder das, was uns die einschlägigen Stadt- und Lifestyle-Magazine dafür verkaufen: total rasierte Lara Crofts, die ihr Haar auf den Zähnen tragen und für Glamour wortwörtlich über Leichen gehen."

NZZ vom 9.5.2003